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Nichts für Vegetarier: Harald der Wikinger servierte Spanferkel frisch vom Spieß.»

Jetzt bin ich mal Mensch«
Faszination Mittelalter - etwa 2500 Besucher beim historischen Markt
Von Marion Neesen
Sudhagen (WV). »Wir sind anders als andere,

 das haben schon meine Oma und meine Mutter zu mir gesagt«, erinnert sich Frank Zieler.

Damit dürften sie wohl Recht haben. Denn schon allein Frank Zielers Beruf ist etwas Außergewöhnliches: Der Mann aus Espelkamp ist selbstständiger Knochenschnitzer.

Am Wochenende demonstrierte »Frankwart der Knochenschnitzer« sein Handwerk während des historischen Marktes in Sudhagen. Gern erzählt er über seine Arbeit. So erfahren die Besucher in seinem Zelt, dass sein Beruf dem des Elfenbeinschnitzers ganz ähnlich ist. »Ich mache aber nur Knochenarbeit«, sagt Frankwart und erklärt, dass er aus Horn oder Geweihen Ringe, Kämme, Messer, Werkzeuge und Gürtelschnallen fertigt. »Viele Menschen besinnen sich wieder auf natürliche Materialen«, kennt der Knochenschnitzer seine Kundschaft.
Am Wochenende hat für den Espelkamper die Marktsaison begonnen, etwa 48 historische Märkte wird er im Laufe des Jahres beschicken. Für ihn ist das Mittelalter nicht nur Arbeitsplatz, sondern auch Lebensphilosophie. »Ich finde es wichtig, das Gedankengut dieser Zeit hochzuhalten. Dazu gehören für mich Gastfreundschaft, Ehrlichkeit und eine gewisse Authentizität, so zu sein, wie ich bin«, sagt der bekennende Heide, der nicht nur einen Gott verehrt. Glaube habe nichts mit Fanatismus zu tun. Er könne Christen genauso akzeptieren wie Moslems. Einmal anders zu sein als andere, das macht auch für Heinz-Georg Schier die Faszination Mittelalter aus. Schier ist Vorsitzender des Delbrücker Trosses, der den Markt in Sudhagen in diesem Jahr zum zweiten Mal ausgerichtet hat. »Es gibt Doktoren und auch Rechtsanwälte unter den Mittelalter-Fans«, sagt Schier, »da schämt sich niemand, auch gewandet zu kommen. Die Devise ist: Jetzt bin ich mal Mensch.« Im wirklichen Leben ist der 55-Jährige Leiter der Rettungswache in Delbrück. Wenn er ins Mittelalter hinabsteigt, gilt er aber nur als »Kameltreiber«, denn Kamele sind ein weiteres Hobby des Delbrückers. Insgesamt 75 Händler kamen am Samstag und Sonntag ins Delbrücker Land und boten ihre Waren wie Schmuck, Werkzeug, Gewänder und Schwerter feil. Gaukler, Musiker und Puppenspieler unterhielten das Publikum. Die weiteste Anreise hatten dabei wohl die Inhaber eines handbetriebenen Kinderkarussells aus Tschechien, aber auch aus Bayern und Sachsen kamen die Mittelalter-Fans. Allein zwei Busse aus dem Ruhrgebiet hatten sich für das Ritteressen am Samstagabend angemeldet. Auch ein Blick in den Himmel, aus dem es insbesondere am Samstag schneite und regnete, konnte die gute Laune der Organisatoren und Beschicker nicht trüben. »Im Mittelalter war auch nicht immer alles Sonnenschein«, sagt Heinz-Georg Schier.
Außerdem habe man den Termin im Winter bewusst gewählt. Damit sei der Delbrücker Markt der erste des Jahres und der einzige Wintermarkt unter freiem Himmel. Außerdem hätten dann auch Händler noch Termine frei, die man sonst nicht bekäme. Die Besucherzahl des Vorjahres konnte zwar nicht erreicht werden, trotzdem stimmte die Atmosphäre, sagt auch Küchenmeister Heinrich (Heiner Horaczek), Schriftführer des Delbrücker Trosses. Etwa 2500 Mittelalter-Fans kamen ins Gastliche Dorf.
Auch im nächsten Jahr will der Delbrücker Tross den Markt veranstalten. Dann wird sicher auch wieder Frankwart der Knochenschnitzer dabei sein.
 

 

Artikel vom 14.02.2011

  

Zeitreise ins Mittelalter 
von Axel Langer Westfalenblatt Ausgabe Delbrück

Hagen (WB). Die Zahlen des ersten winterlichen Mittelaltermarktes des Delbrücker Tross im Gastlichen Dorf im vergangenen Jahr sind beeindruckend: Fast 6000 Besucher begaben sich auf Zeitreise. »Eine gelungene Sache, an die wir jetzt anknüpfen«, sagt der Vorsitzende des Delbrücker Tross, Heinz-Georg Schier.

Am Samstag, 12., und Sonntag, 13. Februar, verwandelt sich das urige Fachwerkdorf an der Lippstädter Straße wieder in einen Markt mittelalterlichen Handwerks und Brauchtums. Der Mittelaltermarkt öffnet jeweils zwischen 11 und 19 Uhr seine Tore für das »neugierige Volk«.

Eine Vielzahl an Anmeldungen sind beim Team des Delbrücker Tross bereits eingegangen. Auf die Besucher aus nah und fern warten mehr als 70 verschiedene Aktivitäten auf dem Gelände des Gastlichen Dorfs. Mit der zweiten Auflage eröffnen die Delbrücker Mittelalterfans auch diesmal den inzwischen langen Reigen der Mittelaltermärkte der näheren und weiteren Region. Die unzähligen Marktstände zeichnen sich besonders dadurch aus, dass die Besucher den mittelalterlichen Handwerkern über die Schulter schauen dürfen. So erhalten die Besucher einen tollen Einblick in das Leben des Mittelalters. Seiler haben ihr Kommen genauso zugesagt wie Zuckerbäcker, Perlenmacher, Gerber oder Lederer. Aber auch Bogenbauer und Wollspinner oder eine Seifen- und Duftmanufaktur bieten genauso alte Handwerkskunst an wie eine Schilderwerkstatt oder eine Schmiede.

Für Kurzweil wird die Musikgruppe »Trrollheimen« ebenso wie Gaukler Jonas sorgen. Viele Stände wenden sich besonders an Kinder, so wird ein Holzkarussell aufgebaut und ein Puppentheater, ein Drachendruide und das Ringewerfen sorgen für Unterhaltung. Natürlich liegt auch bei vielen kulinarischen Leckereien nicht nur ein Hauch von Mittelalter in der Luft über dem Gastlichen Dorf. Neben Räucherfisch oder osmanischen Spezialitäten wird auch Spanferkel frisch vom Grill serviert.

Einer der Höhepunkte wird sicherlich das Ritteressen am Samstagabend um 19 Uhr sein. Im urigen Ambiente des Hof Westermeier kann dann nach Voranmeldung im gastlichen Dorf kräftig geschlemmt werden. Schmalz und Holzofenbrot werden dann genauso munden wie Mini-Haxen und Rahmsauerkraut. Dazu bieten die Spielleute von »Sonor Teutonicus« aus Osnabrück Live-Musik.

www.mittelalter-tross.de

www.das-gastliche-dorf.de

Kalender 31.01.2011

Mittelalter hält Einzug in den Tierpark  Nadermann

Delbrück-Schöning
 

Premiere bei Nadermann macht Appetit auf mehr
 

Schöning (al). Die attraktive Kombination aus Mittelaltermarkt und Tierparkbesuch hat bei seiner Premiere mehrere hundert Gäste in den Tierpark Nadermann gelockt. 28 Händlerstände - vom Seiler über Goldschmied, Kunstschnitzer bis hin zu Lederer oder Glasperlenmacher - waren über das gesamte Gelände des Tierparks verteilt.

Die Musikergruppe Trollheymen, ein Bardesänger oder auch Jonas, der Gaukler, sorgten zudem für kurzweilige Unterhaltung. Zwei mittelalterliche Lager richteten sich in der Nähe der Ems häuslich ein. Der Vorsitzende des Delbrücker Trosses, Heinz-Georg Schier: »Nach guten Erfahrungen mit Mittelaltermärkten in Dortmund und Osnabrück wollten wir es auch einfach mal in Delbrück ausprobieren.«
Besonders gut war die Resonanz auf die »lange Nacht« im Tierpark, dessen Areal mit Fackeln und Scheinwerfern ins rechte Licht gesetzt wurde. Zusammen mit Nebelmaschinen wurden Tiere und Besucher in gespenstisch-mystisches Licht getaucht.
An zahlreichen Ständen konnten die Besucher den Handwerkern bei ihrer Arbeit über die Schultern schauen. So demonstrierte Hauke Leitsmann japanische Schmiedekunst. Beispielsweise brachte er einen aus 27 Kupfer- und Edelmetallschichten bestehenden Rohling mit Hammerschlägen langsam in Form. »Nach und nach entsteht so daraus ein Armreif mit einem tollen Farbspiel«, erläuterte der Arnsberger. Auch Carola Bastian-Sorg ließ sich beim Anfertigen handgedrehter Glasperlen zusehen. Bei der filigranen Arbeit am Lötkolben werden verschiedenfarbige Glasstangen geschmolzen und in runde Form gebracht. Sind die bunten Perlen abgekühlt, können sie auf ein Lederband aufgezogen werden.
Ob es im nächsten Jahr eine Fortsetzung der mittelalterlichen Nacht im Tierpark Nadermann geben wird, steht noch nicht genau fest. »Wir werden an dem Konzept und an dem Datum noch ein wenig feilen müssen, aber die Tendenz geht eindeutig zu einer Fortsetzung«, zeigte sich Schier mit dem Mittelaltermarkt durchaus zufrieden.
 

 

Artikel vom 06.10.2010 Westfalenblatt    www.westfalen-blatt.de

 

 

post@mittelalter-tross.de

 
 
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